Französisches Gerichtsurteil: Elektromagnetische Strahlung als medizinischer Grund für Erwerbsunfähigkeitsrente anerkannt

Das Gericht für Streitfälle bei Erwerbsunfähigkeit in Toulouse (TCI) hat in erster Instanz am 8. Juli 2015 einer 39-jährigen Frau den Anspruch auf eine Behindertenrente infolge Elektrosensibilität aus medizinischen Gründen anerkannt.

Das Urteil verweist auf das „Syndrom der Hypersensibilität gegenüber elektromagnetischer Strahlung“ und präzisiert: „Die Beschreibung des Krankheitsbildes ist unwiderlegbar“.
Die Erwerbsunfähigkeit der Klägerin Marine Richard wurde vom Gericht auf 85% festgesetzt. Die entsprechende staatliche „Unterstützung für behinderte Erwachsene“ wurde ihr zunächst für zwei Jahre gewährt, mit Verlängerungsmöglichkeit je nach Entwicklung ihrer medizinischen Situation.

Als weiteres Beispiel kann folgendes Urteil gezählt werden. Der Oberste Gerichtshof in Italien hat im Oktober 2012 den Anspruch eines Mannes aus Brescia auf eine staatliche Invalidenrente anerkannt, weil dessen Tumorleiden auf exzessive Dienstgespräche mit dem Mobiltelefon zurückzuführen sei.

Mittlerweile häufen sich auch die Stimmen aus der Wissenschaft, die eine schädliche Wirkung elektromagnetischer Strahlung aufzeigen. In einer Studie an Mäusen konnten der Biologe Prof. Dr. Alexander Lerchl und sein Team nachweisen, „dass durch krebserregende Substanzen verursachte Tumorraten deutlich erhöht sind, wenn die Tiere lebenslang elektromagnetischen Feldern ausgesetzt wurden, wie sie etwa Mobiltelefone erzeugen.“ Dieser Satz über die vom Bundesamt für Strahlenschutz finanzierte Studie in der Presseerklärung der Jacobs Universität Bremen vom 6.3.2015 schlug in der Fachwelt wie eine Bombe ein.

In Liechtenstein ist das Amt für Umwelt für die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) und aber auch für den Lärm zuständig. Da wir in Liechtenstein nur einen Mann für dieses Thema haben und das nicht mal zu 100%, ist es nachvollziehbar, dass für Aufklärung oder offensive Informationspolitik die Ressourcen fehlen. Wer kümmert sich also in Liechtenstein überhaupt adäquat um eine Aufklärung im Sinne der Vorsorge?

In Kanada zum Beispiel hat das House of Commons eine Arbeitsgruppe zu den gesundheitlichen Risiken hochfrequenter EMF eingesetzt. Deren Bericht liegt inzwischen in englischer und französischer Sprache vor. Er ist sehr kritisch ausgefallen und eine Antwort auf den umstrittenen „Health Canada Safety Code 6“ der Regierung.

Vorsorge ist ja bekanntlich die beste Medizin. Dafür benötigt es jedoch eine aufgeklärte und mündige Bevölkerung.

Quellen und Hintergrundinformationen:

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