­Von überführten Rufmördern, deren Dementis und dem „Schläfer-Effekt“.

Man weiss seit langem, dass die Überzeugungskraft von Argumenten mit der Zeit fortlaufend nachlässt. Sie zerfällt ähnlich einer radioaktiven Substanz. Umso überraschter war man Anfang der 1940er Jahre im amerikanischen Kriegsministerium bei ausgiebigen Studien zur Wirksamkeit von Propaganda. Man versuchte zu eruieren auf welche Weise sich die Haltung einfacher Soldaten nach „Genuss“ eines Propagandafilmes veränderte. Das Ergebnis war niederschmetternd – bis nach neun Wochen etwas Unerwartetes geschah: Jene Soldaten, welche den Film gesehen hatten, zeigten deutlich höhere Zustimmungsraten zum Krieg als die Kontrollgruppe, die ihn nicht gesehen hatte. Was war passiert?

Der Psychologe Carl Hovland, der diese Studien für das amerikanische Kriegsministerium leitete, nannte den neu entdeckten Effekt „Schläfer-Effekt“. Er besagt, dass das Wissen um die Quelle (Propagandaministerium) schneller zerfällt als die vorgebrachten Argumente (der Krieg ist notwendig und daher eine gute Sache). Im Falle von Dementis kommen zwei zusätzliche Umstände erschwerend hinzu. Zum einen erfahren alle die vorher nichts von der Sache wussten durch das Dementi davon, zum anderen ist ein Dementi per se inhaltlich uninteressanter als die ursprüngliche Geschichte und zerfällt daher noch schneller. Nach kurzer Zeit bleibt nur noch die Erinnerung an die Anschuldigung.

In unserem Artikel „Strahlenschutz-Grenzwerte in Liechtenstein: Mit Vollgas in die falsche Richtung?“ beschäftigten wir uns mit dem Fall des Prof. Dr. Alexander Lerchl. Nachdem seine verleumderische Kampagne gegen die REFLEX-Studie(n) grandios gescheitert ist tritt er heute in der Rolle des besorgten Wissenschafters auf. Spätestens das Urteil des Landgerichts Hamburg dürfte auch seine Sponsoren davon überzeugt haben, dass es wohl besser sei keinen weiteren Staub mehr aufzuwirbeln.

Lerchls Dementi, eine als „Gegendarstellung“ verkleidete Kritik an redaktionellen Ungenauigkeiten besagten VGM-Artikels, greifen wir dankend auf. Die Replikation der Studienergebnisse bezog sich tatsächlich auf die Studie von Tillmann (2010), und nicht auf die REFLEX-Studien. Leider bleibt festzustellen, dass all diese Studien zu dem selben beunruhigenden Ergebnis kommen. Sie zeigen, dass Tumore unter permanenter Einwirkung von Mobilfunkstrahlung beste Lebensbedingungen vorfinden und daher messbar wuchern! Dem ambitionierten Hobby-Naturwissenschafter sei Lerchls Studie ans Herz gelegt, die man gegen den Unkostenbeitrag von $41,95 hier als pdf erwerben kann. Das Landgericht Hamburg kam übrigens zu dem Schluss, dass die Beklagten Prof. Dr. Alexander Lerchl und die Lj-Verlag OHG es – bei Androhung von Ordnungsgeld in zahlreichen Einzelpunkten (je bis zu € 250.000,–) oder bei Uneinbringlichkeit Ordnungshaft (höchstens zwei Jahre) – zu unterlassen haben, weiter ihrer verleumderischen Lobbyarbeit nachzugehen. Die eventuelle Strafhöhe hängt somit ausschliesslich von Lerchls weiterem Vorgehen ab. Die Prozesskosten von € 60.000,– tragen die Beklagten zur geteilten Hand.

Jetzt können die Details dieser Schmierentragödie endgültig in Vergessenheit geraten – wobei die Basisinformation erhalten bleibt: Mobilfunk fördert Krebs und Dr. Lerchl lag von Anfang an falsch.

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