Mobilfunk und Gesundheitsrisiken – die Verantwortungslosigkeit wird zum System.

Die negativen gesundheitlichen Folgen von Hochfrequenzstrahlung jedweder Couleur sind mittlerweile allgemein bekannt und können auch nicht mehr dauerhaft erfolgreich bestritten werden. Dieser Umstand lässt sich deutlich an den Vorsichtsmaßnahmen der Mobilfunkindustrie, sowie auch am Verhalten der Versicherungsunternehmen erkennen. Letztere zählen den Mobilfunk gar zum exklusiven Trio der weltweit nicht versicherbaren Geschäftsfelder, gemeinsam mit der Atomenergie und der Gentechnik in der Landwirtschaft.

Wenn schon Versicherungskonzerne den zu erwartenden Schaden wesentlich höher einschätzen als den erzielbaren Gewinn, sollte man eigentlich hellhörig werden. Die Mobilfunkindustrie hat sich aus exakt jenem Grunde ein Handlungsportfolio zurechtgelegt, mit dessen Hilfe die Risiken dennoch ausgelagert werden können. So werden jene Geschäftsfelder, die mit Netzaufbau und technischem Betrieb betraut sind, ganz einfach in eigene Gesellschaften mit beschränkter Haftung ausgelagert, die bei Eintreten des Schadensfalles in den Konkurs geschickt werden können – wodurch alle Schadensersatzansprüche auf die Höhe der Mindesteinlage abgesenkt werden. Sehr beliebt ist auch die stillschweigende Haftungsübertragung. Wer weiß denn schon, dass der mit mehreren „Tausendern“ jährlich dotierte Vertrag mit einem Mobilfunkanbieter zur Errichtung einer Sendestation auf dem eigenen Grundstück auch einen Übergang der Haftung für eventuelle Schäden beinhaltet, da die Gefährdung ja dann vom eigenen Grundstück ausgeht?

Bekanntermaßen bieten Grenzwerte keinerlei Schutz. Gäbe es solche „sicheren“ Grenzwerte, müssten diese weltweit einheitlich oder zumindest ähnlich sein. Doch weit gefehlt! Während in der Schweiz und in Liechtenstein noch vergleichsweise moderate 45.000 µW/m² gelten sind in Deutschland bereits 9-10 Millionen µW/m² als unbedenklich eingestuft. Österreich geht noch weiter und verzichtet gänzlich auf eine gesetzliche Regelung und begnügt sich mit dem Wert von 9 Millionen µW/m² als rechtlich unverbindliche Empfehlung des Rats der Europäischen Union vom 12. Juni 1999 (= Amtsblatt Nr. L 199 vom 30.07.1999: 1999/519/EG), sowie mit dem Wert von 10 Millionen µW/m² als eine rechtlich unverbindliche Vornorm des Vereins „Österreichisches Normungsinstitut“ (= S 1120, E 8850).

Seltsamerweise zeigt ein Mobiltelefon bereits ab 0,01 µW/m² eine volle Empfangsanzeige und selbst bei 0,001 µW/m² ist ein Telefonat ohne Einschränkungen möglich. Auch hier stellt sich die Frage, welche Überlegungen den sog. Grenzwerten eigentlich zugrunde lagen?

Leider sind auch die verpflichtenden Studien zur elektromagnetischen Verträglichkeit in EMV-Laboren vor der Markteinführung von Mobilfunkgeräten vollkommen bedeutungslos. Was sagen Messwerte von ein, drei und zehn Metern Entfernung schon aus über gesundheitliche Risiken eines Gerätes das üblicherweise direkt am Körper getragen wird?
Aufschlussreicher ist da schon die verblüffende Äquivalenz der Statistiken über den Anstieg des Ritalinverbrauchs in Relation zur Verbreitung von Mobilfunk seit dessen Einführung Anfang der 90er Jahre. Der Selbstversuch mit der Google Bildersuche lässt staunen! Allerdings ist eine wissenschaftliche Beweisführung nicht durchführbar. Wie in vielen anderen Bereichen (etwa auch in der Impfdebatte) scheitert die Versuchsanordnung bereits an der mangelnden Verfügbarkeit einer unbeeinträchtigten Kontrollgruppe (von der Vernachlässigung kumulativer Effekte sowie von Wechselwirkungen mit anderen Themengebieten wie z.B. Umweltgiften mal ganz abgesehen).
Wir befinden uns daher inmitten eines weltweiten Live-Experimentes ohne Reset-Knopf, in welchem die Verantwortung weitestgehend sozialisiert wurde, womit Haftung vermieden werden kann – vergleichbar dem Nukleartechnik- und dem Gentechnik-Experiment.

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